Da war doch was?

Coro­na war im Früh­jahr 2020 ja das Top-The­ma. Auch in der Fit­nessszene, denn eine Zwangss­chließung aller Stu­dios gab es nie zuvor. Für fast alle Mit­glieder hat­te das eine Pause vom gewohn­ten Pen­sum zur Folge. Zum Glück erin­nern sich unsere Muskeln aber an ihre ein­sti­gen Groß­tat­en. Dieses Phänomen wird Mem­o­ry-Effekt genan­nt.

Der Mem­o­ry-Effekt bringt dann etwas, wenn du schon Muskeln in nen­nenswertem Umfang aufge­baut hast. Wer ein­mal richtig trainiert hat, besitzt gegenüber Anfängern stets einen Vorteil und erre­icht den Sta­tus quo vor der Train­ingspause schneller zurück. Dafür gibt es zwei Ursachen: eine kleine und eine große. Die kleine: Ein Anfänger muss beim Kraft­train­ing erst die gesamten Abläufe von Grund auf ler­nen, also kog­ni­tiv erken­nen, ver­ar­beit­en und abspe­ich­ern. Beim Wiedere­in­stieg ent­fällt dieser Lern­prozess. Die bedeu­ten­dere Effek­tur­sache ist aber die, dass auch nach län­ger­er Train­ingspause der Prozess der Mitose ent­fällt. Mitose beze­ich­net, vere­in­facht gesagt, Zel­lver­dopplun­gen, die auch beim Muskelwach­s­tum stat­tfind­en. Wird der Muskel nicht mehr im bekan­nten Maße beansprucht, nimmt das Vol­u­men viel­er der in ihm enthal­te­nen Zellen ab. Diese Zellen wer­den aber nicht kom­plett zer­stört. Ihr „Gehirn“, der Zel­lk­ern, bleibt neb­st Infor­ma­tio­nen zum ehe­ma­li­gen Leis­tungsver­mö­gen und Zel­lvol­u­men erhal­ten. Deshalb wer­den die Zellen nach Wieder­auf­nahme des Train­ings recht flott reak­tiviert.

Verletzungsgefahr

Auch wenn die Muskeln nicht gän­zlich ver­loren sind, wäre es fatal, sich am let­zten durchge­führten Train­ings­plan zu ori­en­tieren. Tut man dies, wird der Kör­p­er extrem über­fordert und er wird sich wahrschein­lich mit Muskelkater, Zer­run­gen oder anderen Ver­let­zun­gen rächen. Also bitte über­stürz nichts und beachte auch die Länge der Pause. Wenn nur einen Monat nicht trainiert wurde, reicht eine vorüberge­hende 20-prozentige Belas­tungsre­duzierung, um schnell wieder auf den alten Stand zu kom­men. Nähert man sich ein­er hal­b­jähri­gen Auszeit, ist ein kom­plet­ter Wiedere­in­stieg erforder­lich. Hier kann es drei bis sechs Monate dauern, bis alles wieder im Lot ist. Zu Anfang genü­gen dann 50 Prozent der zulet­zt ver­wen­de­ten Belas­tung. Dabei ist zunächst Ganzkör­per­train­ing ange­sagt, bis die Grundübun­gen wieder sitzen. Dann kannst du für einige Wochen in den Zweier­split wech­seln. Wenn du dich auf diese Art langsam dem alten Leis­tungs­bere­ich genähert hast, kannst du wieder auf das Sys­tem von einst umsteigen.

Quelle: shape UP Fit­ness 4/20
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